Weil jedes dritte Kind unter 14 Jahren nicht schwimmen kann, gibts "Quietschfidel".
Die Zahlen sind erschreckend
Jedes dritte Kind unter 14 Jahren kann nicht schwimmen. Ertrinken ist nach Verkehrsunfällen zweithäufigste Todesursache. Weil sich das ändern muss, hat Sportminister Ingo Wolf "Quietschfidel" ins Leben gerufen. Name und Markenzeichen - eine gelbe Ente - sollen Programm sein, nämlich dass sich Kinder und Jugendliche im Wasser wohlfühlen. Weil das Projekt existenzwichtig ist, hat Wolf das Ruder nach erstem Versuch vor einem Jahr noch einmal rumgerissen. Sonntag ging die Initiative erneut an den Start.
Die Ausbilder fehlen
Die Liste ist lang. Allein beim TV Voerde warten 66 Kinder drauf, Schwimmen zu lernen, zählt Frank Retalski. "Wir arbeiten schon vierzügig und bilden jährlich 80 Kinder aus", so der Leiter der Schwimmabteilung. Die Voerder, der DLRG im Ort gehts ähnlich, kommen nicht nach. "Wir könnten mehr, wenn wir mehr Helfer hätten", so DLRG-Vorsitzende Margarete Hennig. Nur beginnen die Übungszeiten donnerstags schon um 14 Uhr. "Eine Zeit, zu der nur Hausfrauen und Menschen über 50 Jahren können", so die DLRG-Chefin. Diese Zielgruppe versucht Hennig fürs Ehrenamt zu motivieren. Aber es ist schwierig, da es keine Bezahlung gibt. Wenn es ums Sparen geht, ist Politikern der Gedanke ans Schließen der Bäder nicht fern. Da kann man viel sparen. "Unser Bürgermeister sagte mal, ein Hallenbad, das sei Luxus", so Michael Welfenberg. Ein Mann, der für den Erhalt des Hallenbades in Hünxe kämpft und erklärt, dass es kein Luxus sei. "Schwimmen können ist so wichtig wie Radfahren." Während Welfenberg mit einer "60-prozentigen Sicherheit" rechnet, das Bad unter Vereinsregie fortzuführen, hat Grundschulrektor Knut Helke Post von der Gemeinde bekommen. Er solle das neue Schuljahr vorsichtshalber ohne Schwimmen planen. Bislang hatte an seiner Schule jedes Kind zweimal ein halbes Jahr Schwimmunterricht. Zurzeit sei die Zahl der Nichtschwimmer im fünften Schuljahr äußerst gering, das ändere
sich bei Wegfall des Unterrichts, denkt man etwa an der Gesamtschule.
Ein Jahr Wartezeit
An Kapazitäten mangelt es in Dinslaken wahrlich nicht, im Hallenbad haben Schul- und Vereinssport Vorrang. "Alle Schulformen bieten regelmäßig Schwimmunterricht an", antwortet Thomas Pieperhoff für die Stadt. Zudem ist im Bad der SC Dinslaken aktiv, der bis zu 80 Kinder jährlich ausbildet. Trotzdem könnte es besser laufen. Jeweils zwei Gruppen schwimmen von 18 bis 19,30 Uhr. "Davor bekomme ich keine Ausbilder, danach ists für die Anfänger mit fünf und sechs Jahren zu spät'', so Klaus Denkmann. Für den Kurs um 18 Uhr beträgt die Wartezeit ein Jahr.
Aber der Verein sucht den Kontakt zur Stadt, um die Idee der Initiative voranzutreiben. Wann Klaus Denkmann auch nicht alles unterschreibt, was der Minister sagte. Eltern könnten ihren Kindern doch selbst das Schwimmen beibringen. Dazu Denkmann: "Es geht nicht nur darum, den Kopf über Wasser zu halten, sondern sich im Wasser wohlzufühlen." Eben quietschfidel wie die gelbe Ente. Dies könnten nur qualifizierte Ausbilder in den Vereinen gewährleisten.
Das Problem nur: Wenn nicht die Vereine und nicht die Schulen, wer dann?
Quelle: NRZ - Dinslaken 12.03.2007